Bericht im Lippstädter Patriot vom 30.06.2026.
Text: Dietmar Gröbing.
Vielen Dank für die Berichterstattung über das Konzert und die Ankündigung am 22.06.26.
Finale an frischer Luft – Begeisterndes Tango-Event beendet die Jazzclub-Saison
Wenige Stunden, bevor die argentinische Fußball-Nationalmannschaft ihr Spiel gegen Jordanien bestritt, gab es einen Vorgeschmack auf Kultur und Lebensgefühl des südamerikanischen Landes.
Wohlgemerkt in musikalischer Form, denn der Lippstädter Jazzclub beendete seine Saison mit einem Tango-Event. Getragen wird es von zwei Argentiniern, die unter dem Namen Los Suplentes (Die Ersatzspieler) durch die Lande tingeln. Am Samstag verwandelte sich das Duo in ein Trio: Mit Michael Villmow haben die Herren aus Buenos Aires einen norwegischen Begleitmusiker im Gepäck. Zu dritt hat man die Tivoli-Lounge angesteuert. Aufgrund hoher Temperaturen haben die Verantwortlichen aus der geplanten Indoor-Veranstaltung ein Open-Air-Event gemacht. Eine gute Entscheidung, verfügt die Lokalität doch über einen nah am Wasser gelegenen wie geräumigen Biergarten. Und über neugierige Zuhörer, die sich offen und begeisterungsfähig für eine Tango-Lektion zeigen.
Rund 100 Anwesende treiben mit ihren Beifallsbekundungen die Musiker zu Höchstleistungen an. Das gefällt Emiliano Faryna, Hugo Satorre und Michael Villmow. Als Replik übertragen sie ihre Dankbarkeit auf ihre Instrumente. Als Resultat kommen entweder expressive oder verhalten-melancholische Tango-Varianten zu Gehör. Gespeist werden sie von Gitarre, Bandoneon und Saxofon. Bei erstgenanntem Duo handelt es sich um typische Genrevertreter, das Saxofon schafft an diesem Abend eine Verbindung zum Jazz, der ergänzenden Charakter besitzt, aber nicht die Hauptrolle spielt. Die hat der in den südamerikanischen Tanzhäusern, den sogenannten Milongas beheimatete Tango Argentino inne.
Manche Menschen, wie Hermann-Josef Skutnik, schreiben ihm besondere Fähigkeiten zu. Der Jazzclubvorsitzende beschreibt den Tango als „Therapie, die die Seele heilt“. Laut digitaler Suchmaschine klingt das Ganze etwas nüchterner: „Der Paartanz beruht zuvorderst auf nonverbaler Kommunikation, Leidenschaft und Improvisation.“ Exakt dies kennzeichnet das Zusammenspiel der Protagonisten, die nur partiell auf Noten zurückgreifen. Lieber lässt das Gespann der Eingebung freien Lauf und spielt weitestgehend nach Gefühl.
Wenn nicht improvisiert wird, kommt der wohl einflussreichste Tangokomponist Argentiniens zu seinem Recht: Astor Piazzolla. Seine Stücke dürfen in keinem Tango-basierten Programm fehlen und bilden neben Eigenkompositionen die Basis des begeisternden, mit Standing Ovations bedachten Konzerts.






