Maik Krahl Quartett im Jazzclub Lippstadt

25.04.2026: Maik Krahl

Maik Krahl lässt in Lippstadt Jazzjuwelen funkeln

Beitrag von Marion Heier am 27.04.26 in Der Patriot.
Vielen Dank für die Berichterstattung!
Fotos: Peter Hoffmann

„Lauscht man dem Trompeter Maik Krahl und seinem Quartett, dann begegnet man einem musikalischen Juwel, dessen Funkeln sich nach und nach in den nächsten zwei Stunden offenbart.

Dass das Konzert des Lippstädter Jazzclubs am Samstagabend auf der Studiobühne stattfindet, macht es diesem Hochkaräter zunächst nicht einfach, entdeckt zu werden. Was der in Dunkelheit gehüllte Raum allerdings bietet, ist eine saubere Akustik mit studioähnlichem Charakter. Von daher gilt: Ohren auf.

Aber auch optisch passt es, bieten ein dezent illuminierter Vorhang und Spotlights den Musikern eine ansprechende Kulisse. Und die passt ganz hervorragend zum Understatement des Ensembles, dem es nicht um Personenkult geht, sondern um die Reinform des Jazz.

Immer wieder rückt der 33-jährige Trompeter aus Köln zur Seite, gewährt er seinen Kollegen Raum, zu solieren. Frei von jeglichen Showeffekten kreieren die im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichneten Musiker Maik Krahl (Trompete), Constantin Krahmer (Piano), Jakob Kühnemann (Kontrabass) und Fabian Rösch (Schlagzeug) am Samstag einen feinen Hörgenuss für Fans pointierter Zwischentöne und musikalischem Geschichtenerzählen. Lediglich ein paar Effektgeräte für ein wenig Hall oder Loops unterstützen das rein akustische Konzert, in dem Krahl – Ziehsohn von Trompeter-Promis wie Till Brönner und Ryan Carniaux – die Kompositionen anmoderiert.

Und die entstammen sinnlichen Erlebnissen, Urlauben an der französischen Atlantikküste oder einer schlaflosen Studionacht in Köln. Sie erzählen atmosphärisch dicht von beruhigender Brandung, der Stille in kreativer Dunkelheit oder Begegnungen – echten, wie jenen aus TV-Serien.

In „One Way Dialog“ persifliert er Menschen, die einen gerne zutexten, in „Miss Lovegate“ zeichnet er die Entwicklung der Hauptdarstellerin aus „Parcs and Recreation“ nach. Durchaus lustig: In „Blue Dots Descending“ widmet er sich der Beobachtung von im Teig versinkenden Blaubeeren.

Und ja, ein wenig hört man den lässig, avantgardistischen Brönner-Style heraus, jedoch setzt Krahl, über den Brönner sagt, dass er einiges von ihm lernen könne, beweglichere Akzente. Da mäandert er um das Motto herum, lässt die Ventile stärker tanzen, improvisiert und fluktuiert temporeich durch die Scales.

Seine Mitstreiter haben mitunter Noten vor sich. Ein Zeichen dafür, dass es sich im Jazz um durchkomponierte Werke handelt, die sich an striktes formales Gerüst halten. Auch ohne Krahl beweist die Band musikalische Größe. Krahmer improvisiert sich frei, lässt volle Harmonien in den Blue Notes wirken. Kühnemann saust mit flinken Fingern über die Saiten und Rösch hält rhythmisch alles zusammen. Knallt er auf die Snare oder rührt mit dem Besen, dann setzt der Groove ein, wird es funky und soulig oder jazzy im Bebop-Style. Da wird auch gerne mal der Rhythmus gewechselt, geht’s vom Bossa in den Pop. Was Krahl und Band da liefern, funkelt bis zur Zugabe.“